Konzert der kurzweiligen Genüsse

ius Hitzacker. Posaunisten sind die etwas anderen Musiker. Wo fiele es einem Streichquartett ein, dem Publikum auch noch humorvolle Anekdoten und witzige Gedichte, die absolut nichts mit der zuvor oder danach gespielten Musik zu tun haben und bei denen der Versfuß bisweilen auch noch auf Krücken geht, zu präsentieren? Wo kämen Streicher auf die Idee, ihre musikalische Darbietung choreographisch aufzupeppen? Posaunisten (und die vom Dresdner Quartett "Four-in-Hand", die am Montag unter dem Motto "Posaune vierfach" im Verdo auftraten, sind da keine Ausnahme!) tun es.
Sie sind Gemütsmenschen. Leute mit Bodenhaftung, denen das Derbe genauso vertraut ist wie das Feine; die einen guten Wein wohl durchaus zu schätzen wissen, aber gewöhnlich eher dem Bier zusprechen - wie Bassposaunist Frank van Nooy in seiner Charakterisierung der Orchestermusiker verriet. Von den großen Komponisten oft sträflich vernachlässigt, haben sie sich in mannigfaltigen Arrangements auf ihre Art das musikalisch-kulturelle Erbe des Abendlandes angeeignet.
So war es denn ein Konzert der kurzweiligen Genüsse, das Frank van Nooy, Olaf Krumpfer (Alt- und Tenorposaune), Christoph Schnaithmann (Tenorposaune) und Stefan Langbein (Tenorposaune), der kurzfristig für den verhinderten Nicolas Naudot eingesprungen war, gaben; quer durch die Epochen von der Renaissance bis zur Gegenwart, wobei gleich am Beginn mit dem "Einzug der Königin von Saba" aus Händels Oratorium "Salomo" ein Bravourstück stand, mit dem die Künstler dem Publikum demonstrierten, auf welch hohem Niveau sie zu spielen in der Lage sind. Scheinbar mühelos hielten sie den pulsierenden Sechzehntel-Rhythmus durch. Eine Delikatesse. Amüsant die Bearbeitung von Carl Friedrich Zöllners "Wanderschaft", von Strophe zu Strophe immer schneller werdend, erreichte das Quartett am Ende das Tempo eines Kurzstreckenläufers. Sehr anspruchsvoll dagegen, mit Klangfarben die nahe an der Orgel waren, der Contrapunctus I und IX aus Johann Sebastian Bachs "Kunst der Fuge". Diese geniale Fugenlehre, ursprünglich für Cembalo oder Orgel gedacht, weist schon im Erstdruck vier vollständige Stimmen auf, die nun hier auch wirklich von vier unterschiedlichen Instrumenten gespielt wurden, was zur Folge hatte, dass die Struktur der Komposition deutlicher als sonst zu Tage trat. Mit Claude Gervaises Suite aus den "Danseries", um 1550 entstanden, wechselte das Quartett zu den Barockposaunen und bescherte damit den Zuhörern ein für die meisten vermutlich eher seltenes Klangerlebnis. Die engere Mensur, der knapp bemessene Schalltrichter und das andere Material lassen die Barockposaune sehr viel intimer klingen, fast kammermusikalisch. Schade, dass nur die drei Werke der Hochrenaissance mit Barockposaunen gespielt wurden. Es wäre interessant gewesen zu erfahren, weshalb das Quartett bei den Werken von Praetorius, Schein und Bach der modernen Posaune den Vorzug gab.
Nach der Pause gab es mit Fried Walters "Tromboni Suite" und Frigyes Hidas "Four-in-Hand" zwei Originalkompositionen für Posaunenquartett; wobei das erste Werk mit witzigen Zitaten, das zweite mit einer interessanten Harmonik (viele Rückungen) aufwartete. Heiterkeit lösten auch der Gershwin-Medley und Saint-Saens "Elefant" aus dem "Karneval der Tiere" aus. Derart gut gestimmt, ließen sich die Besucher bei den Zugaben ohne weiteres zum Mitsingen bewegen.

Erschienen am 22. 02. 2011 in der Elbe-Jeetzel-Zeitung

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